Rückschau 2010

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7. 2. 2010
16. 00 Uhr:
Fortsetzung des Nachmittags mit F. Schorlemmer:
Was die Welt im Innersten zusammenhält
Dramaturg und Schauspieler Olaf Hörbe liest: Goldene Regeln der Menschheit in der Literatur
Musikalische Begleitung: Benni Gerlach (Violoncello)
- 13. 3. 2010,
16.00 Uhr
Anna-Katharina Muck und Thomas Stecher (Dresden):
„Laß die Moleküle rasen, ... heilig halte die Ekstasen!“
Eine Begegnung mit Christian Morgenstern Musikalische Umrahmung: Bertram Quosdorf (Klarinette/Saxophon)
- 20. 6. 2010, 16.00 Uhr
Schriftsteller Thomas Rosenlöcher liest:
„Das Höckendorfer Blütenwunder“
- Für die Woche vom 3. bis 9. 10. 2010 ist
der nächste Internationale Meisterkurs Belcanto
Dippoldiswalde des Musikvereins geplant.
Abhängig von der Durchführung des Kurses ist die Abschlußveranstaltung am 9. 10. 2010, 16.00 Uhr.
- 2. 10. 2010,
16.00 Uhr
Lesung des Schriftstellers Dr. Mathias Wedel (Berlin), Chefredakteur des „Eulenspiegels“:
„Wir sind die Doofen“
- 26. 12. 2010,
15.00 Uhr
Olaf Hörbe (Lesung) und Johannes Wulff-Woesten (musikalische Gestaltung)
diesmal mit Weihnachten bei Theodor Storm
„Wort und Musik“ im Rathaus Dippoldiswalde am 07.02., 16 Uhr:
Goldene Regeln im Leben und in der Literatur
Olaf Hörbe spricht und liest zu den wichtigsten Dingen menschlichen Zusammenlebens
Sein Wunschgast ist der freischaffende, in Dresden wohlbekannte Benni Gerlach, der mit seinem Cello die Leseszene gewiß gekonnt auflockern wird.
Karten für diese Veranstaltung am Sonntag, dem 7. Februar, 16 Uhr im Rathaus Dippoldiswalde sind ab sofort, auch abends, unter 03504/614648 vorbestellbar. In Dresden (Kulturpalast, „SZ“, „DNN“, CTS-Vorverkaufsstellen) können Karten im Vorverkauf direkt erworben werden. Restkarten gibt es ab 15 Uhr an der Tageskasse (Eintrittspreise: 8,- und ermäßigt 6,- Euro).
„Laß die Moleküle rasen, ... heilig halte die Ekstasen!“
„Wort und Musik“ im Rathaus Dippoldiswalde am Sonnabend, 13.03.2010, 16 Uhr
„Blödem Volke unverständlich, treiben wir des Lebens Spiel“
Das ist nicht etwa die dreiste Äußerung eines mangels Strafgerichts schon wieder zockenden Managers, sondern entstammt Christian Morgenstern „Galgenberg“, aus seinem bekannten Werk „Galgenlieder“. Mit Auszügen aus Morgensterns Werken stellen sich am Sonnabend, dem 13.3.2010, 16 Uhr im Dippoldiswalder Rathaus Anna-Katharina Muck und Thomas Stecher (Dresden) vor. Ihre Lesungen werden musikalisch umrahmt von Bertram Quosdorf (Klarinette/Saxophon).
Das Thema: „Laß die Moleküle rasen, … heilig halte die Ekstasen!“ Es ist eine deutliche Ankündigung der (frühen) romantischen Ekstasen und des Humors, der den Dichter nie verließ. Der wußte auch um die Notwendigkeit der exakten Werbung: „Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben...“ Geboren in einer Landschaftsmalerfamilie in München im Jahre der deutschen Reichsgründung durch Bismark (1871) und gestorben in Untermais bei Meran kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges, litt er sein frühvollendetes Leben lang an Tuberkulose.
Seiner Jugendzeit in Breslau (Gymnasium; das Jurastudium bei Felix Dann mußte er aufgeben) folgte ein freies Schriftstellerleben (bei zeitweiser Galerieanstellung, auch als Redakteur und Feuilleton-Mitarbeiter) in Berlin. Wie nun Schopenhauer und Nietzsche auf ihn wirkten, waren es später die norwegischen Dichter (Ibsen übersetzte er), bis schließlich der Anthroposoph Rudolf Steiner sein Welt- und Menschenbild entscheidend beeinflußte und ihm ein Freund wurde. Eine Großzahl von Reisen (zwischen Norwegen und Sizilien fand er Schönheit, Freunde) und Kuraufenthalten sind Zeugnisse seiner Unruhe wie seiner permanenten gesundheitlichen Probleme. Eheglück war ihm nur drei Jahre beschieden. 1910 war Christian Morgenstern wohl wie viele andere Künstler seiner Zeit ein Ahnender, als er notierte: „Es gibt für Unzählige nur ein Heilmittel – die Katastrophe“ und: „Spannung ist alles und Entladung...“ Die „Grünen“ haben ein ethisches Bekenntnis von ihm noch nicht verwendet: „Wer die Grausamkeit der Natur und des Menschen einmal erkannt hat, der bemüht sich, selbst in kleinen Dingen, wie dem Niedertreten des Grases, schonungsvoll zu sein.“ Der Welt Schlüssel nannte er Demut...
Bekannt wurde Christian Morgenstern einem großen Leserkreis weniger durch traditionelle Gedichte, Sprüche, Aphorismen etc., sondern durch seine komische Lyrik, sein Spiel mit erdachten Figuren, die in den „Galgenliedern“, „Palmström“, „Palma Kunkel“ und „Gingganz“ eine recht irreale Welt erschaffen, welche aber der Wirklichkeit gilt. In den „Galgenliedern“ etwa war die Sicht vom Galgen auf die Welt eine ganz andere. Wie Erich Kästner und Joachim Ringelnatz interpretieren Künstler auch gern Morgenstern. Mit dessen Wortneuschöpfungen, grotesken Bedeutungsveränderungen, Ironie, Humor und ein wenig Nonsens werden sie auf besondere Art gut unterhalten. Lassen Sie sich überraschen von Dingen und Tieren, die handelnde Personen wurden...
Die Eintrittspreise sind mit 8,- Euro, ermäßigt 6,- Euro noch für jedermann gedacht.Karten für diese Veranstaltung werden nur über 03504/614648 (auch abends) entgegengenommen.
Vorverkauf erfolgt in den „SZ“-Treffpunkten, bei den „DNN“, in allen CTS-Vorverkaufsstellen und im Kulturpalast. Restkarten gibt es ab 15 Uhr an der Tageskasse. -de Fotos für die Presse in 300 dpi gibt es unter www.meisterinterpreten.de/fotos, und Herr Weber (03504/6258425) gibt gern Hilfe beim Herunterladen.
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„Wort und Musik“ im Rathaus Dippoldiswalde
am Sonntag, 20.06.2010, 16 Uhr
Ein beliebter Autor der Heimat liest im Rathaus
Der Suhrkamp-Verlag, eines der führenden westdeutschen Druckhäuser, das Anfang des Jahres von Frankfurt am Main in die (teilweise wieder) deutsche Hauptstadt umzog, registriert ihn als (Rand-) Dresdner. Er lebt aber weniger im wärmeren Elbtal als in seiner Datsche, ganz in unserer Nähe, wo vor alten Bauerngehöften im Frühling noch viele Märzenbecher blühen. Im Sommer kann man ihm auch als Ostsee-Insulaner begegnen. Es zieht ihn dorthin, wo er, naturnah und lärmfrei, in dieser immer hektischeren Zeit in Ruhe leben und dichten kann (Künstler brauchen „Nischen“), was man den Ergebnissen seines künstlerischen Tuns anmerkt: Thomas Rosenlöcher. Dabei blieb er den gesellschaftlichen Abläufen gegenüber nicht desinteressiert.
Unser nächster Gast, gelernter Arbeitsökonom (TU) und am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig zum Mann der deutschen Sprache ausgebildeter Sachse, war zeitweilig Mitarbeiter unseres Dresdner Kinder- und Jugendtheaters, ist aber nun schon 27 Jahre ein sogenannter freier Schriftsteller und dank seiner Erfolge, die auch Kinderbücher umfassen, Mitglied der Sächsischen und Berliner Akademie der Künste.
Gleich vielen seiner Kollegen nahm er Stadtschreiberprojekte wahr, die ihn nach Lüneburg wie ins ferne Kurdistan führten. Kunst muß auch nach Brot gehen.
In der Zeit des Quasi-Interregnums zwischen DDR und BRD waren seine Wortmeldungen unübersehbar, wie er sich auch in Essays und Artikeln zur Befindlichkeit unserer Mitbürger beim einseitigen Wandel artikulierte; und als scharfer Kritiker trat er hervor, als der Verlust des Welterbetitels unserem Elbflorenz drohte.
Er lebt also ganz unter und mit uns, aber er kann manches eben besser beobachten und formulieren als Sie und ich. Eine Menge an Preisen ist ihm dafür in den Jahren zuteil geworden: vom Georg-Maurer-Preis Leipzig über den Erwin-Strittmatter-Preis und den Tübinger Hölderlin-Preis, die Kunstpreise Sachsen-Anhalts wie Dresdens bis zum Hölty-Lyrik-Preis Hannovers. Auch die Heine- und Hesse-Stipendien sind aussagekräftig, und 2005 weilte er gar in der berühmten Villa Massimo in Rom. Im September wird der Junggebliebene noch einmal als Stadtschreiber reisen.
Zur 50. Veranstaltung erleben wir den weithin bekannten und beliebten Dichtersmann noch einmal bei „Wort und Musik“: am Sonntag, dem 20. Juni, 16 Uhr im Dippoldiswalder Rathaus. „Das Höckendorfer Blütenwunder“ gab als Teil seiner Vorträge nur den Titel der Veranstaltung ab. Die Gedichte und Geschichten seiner Lesung wird er vom „Brautzug im Frühling“ (Wie passend in Anknüpfung an die Weihnachtslesung zu Ludwig Richter!) bis zum „Flockenkarussel“ seinen Insel-Büchern entnehmen. Auf Bitten bringt der Künstler einige Buchexemplare zum Verkauf mit.
Karten sind abends über 03504/614648 vorbestellbar. Sie kosten 8,- und ermäßigt 6,- Euro. Der Vorverkauf erfolgt in den „SZ“-Treffpunkten, bei den „DNN“, in allen CTS-Vorverkaufsstellen und im Kulturpalast. Restkarten gibt es ab 15 Uhr an der Tageskasse, Parkplätze in genügender Zahl vor dem Rathaus.

Zehn Jahre „Wort und Musik“
Der „Eulenspiegel“-Chef liest im Rathaus Dippoldiswalde
Es sind tatsächlich schon zehn Jahre vergangen, seit in Dippoldiswalde ohne jegliche Fördermittel eine literarische Reihe entstand – als Pendant und notwendige Ergänzung zur klassischen Musik. Ohne jegliche staatliche Unterstützung fanden inzwischen fünfzig Veranstaltungen statt. Für allgemein teure Schauspieler oder Autoren mit großen Namen reichte es selten. Aber an Qualität und System der Lesungen und Würdigungen bedeutender Schriftsteller hat es wohl kaum gefehlt. Intimität kennzeichnete diese Veranstaltungen wie jene im größeren Kreise der „Meisterinterpreten im Gespräch“ im Parksaal. Die kostenlosen Programmhefte konnten gewiß auch zur (Weiter-)Bildung beitragen. Und weil Künstler Dresdens und der Region halfen, das mühsames Werk zu stützen, gelangen viele interessante Darbietungen, bei Bedarf mit Schwesterkunst Musik verbunden. Wie in der Kirche werden die traditionellen Weihnachtsveranstaltungen am besten angenommen.
Ein besonderes Dankeschön gilt an dieser Stelle der Stadtverwaltung, voran (auch als Hörer!) dem Oberbürgermeister für die hilfreiche Unterstützung, insbesondere die Möglichkeit der Ratssaalnutzung. Es fragt sich nur hier wie da, ob sich langfristig ein geeigneter Organisator als Nachfolger findet, und vor allem, ob daran ernsthaftes Interesse der Zuständigen besteht, das weiterzuführen, was Dippoldiswalde neben dem Museum am meisten bekannt machte: künstlerisch und organisatorisch wertvolle Angebote, nicht Tingeltangel.
Der Weg soll am 51. Nachmittag noch nicht zu Ende sein. Letzterer wurde für den 2. Oktober 2010, 16 Uhr in der Absicht geplant, mit Heiterkeit ins zweite Dezennium zu gehen. Die wahre Heiterkeit war dem Römer Seneca eine ernste Sache, und nach Friedrich Georg Jünger ist Heiterkeit immer das Anzeichen der Freiheit. In diesem Sinne ist mit Kurt Tucholsky zu hoffen, daß bei dem angebotenen Titel „Wir sind die Doofen“ die Oberen nicht auf dem Sofa sitzen und übelnehmen.
Gast ist der Chef der „Eule“, dem in der DDR von einer halben Million Lesern immer wieder mit Spannung erwarteten Magazin, weil der Hebel der Satire schon immer eine gewisse Chance hatte, des Volkes Meinung zu reflektieren.
Mathias Wedel, Erfurter vom Jahrgang 1953, lebt, nach seinen ersten Antworten zu schließen, mit Computer im Baumhaus – wohl näher dem ehemaligen „Karin Hall“, der Pionierrepublik und Schloß Hubertusstock als der Bundeskanzlerin. Er promovierte über „Funktionen der Satire im Sozialismus“, dozierte an der Schauspielschule „Ernst Busch“ und verfaßte Kabarett-Texte.
Seine Bissigkeit scheint ihm seit seinem Buch „Einheitsfrust“ (1994) noch nicht abhanden gekommen zu sein. Allein wir wissen ja auch, daß Satire alles darf, ihrem Wesen nach übertreiben muß. Der Hörer wird sicherlich Buch und Wirklichkeit vergleichen.
Mathias Wedel bringt seine jüngste Bestandsaufnahme in Buchform zum Verkauf mit und wird gern signieren.
Die Eintrittskarten kosten 8,- beziehungsweise ermäßigt 6,- Euro.
Wolfgang Mende
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